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Die Kehrseite der Globalisierung – internationaler MenschenhandelZwangsprostitution – Tausende von Frauen sind VeronicaDie verkaufte Kindheit – KinderprostitutionPrävention: Aktiv werden, bevor es zu spät istMenschenhandel: Systematische Menschenrechtsverletzung  
Die Kehrseite der Globalisierung - Internationaler Menschenhandel  
Eine Szene aus dem Film TRADE – WILLKOMMEN IN AMERIKA veranschaulicht eindrucksvoll die Endstation eines Kindes aus Thailand, das als Ware in die USA verkauft wurde: Der kleine asiatische Junge wurde unter Drogen gesetzt und ist sichtlich benommen. Immer wieder schwankt er auf der Sitzbank des US-amerikanischen Diners, sein erwachsener Käufer muss ihn stützen. Während der Junge teilnahmslos erscheint, drückt ihn sein Besitzer mit sichtlichem Stolz an sich. Leider keine Fiktion, sondern eine Szene wie sie tagtäglich auf der Welt passiert.


Menschenhandel – was ist das?

Mindestens 12,3 Millionen Männer, Frauen und Kinder arbeiten weltweit nach Angaben der ILO (International Labour Organisation) gegenwärtig unter Zwang oder sklavenähnlichen Bedingungen. Viele davon sind Opfer des internationalen Menschenhandels. Darunter versteht das deutsche Strafrecht die Ausnutzung einer Zwangslage oder Hilflosigkeit einer Person in einem fremden Land zum Zwecke der Ausbeutung in der Prostitution oder Sklaverei, Schuldknechtschaft, Leibeigenschaft oder Arbeit. Menschen werden dabei gewaltsam ausgenutzt und zu einer „Ware“ degradiert. Damit ist der Menschenhandel mit einer modernen Form von Sklavenhandel gleichzusetzen.

Der Handel mit Menschen ist ein lukrativer und risikoarmer Bereich für das organisierte Verbrechen. Die "Beschaffungsmärkte" der Menschenhändler liegen meist in Entwicklungsländern sowie in Osteuropa, wobei die östlichen Staaten auch Transit- und zunehmend auch Zielländer sind. Die Ziele sind auf der Welt verstreut, je nachdem, wo die „Ware Mensch“ eingesetzt werden soll. Die Gründe für den Handel sind dabei vielfältig. So dient er etwa der Ausbeutung durch Arbeit (zum Beispiel Sklavenarbeit in Fabriken oder auf Plantagen), insbesondere bei Kindern und Frauen der sexuellen Ausbeutung (Zwangsprostitution, Kinderpornografie), Ausbeutung in illegalen Tätigkeiten (Betteln, Drogenhandel, Diebstähle), der kommerziellen Heiratsvermittlung und dem Organhandel. Bei Kindern kommen oftmals auch Adoptionsgeschäfte vor, die mit dem Ziel getätigt werden, internationale Standards der Adoptionsvermittlung zu unterlaufen oder gar das adoptierte Kind zu missbrauchen. Hauptursache für den internationalen Menschenhandel ist das Gefälle zwischen Arm und Reich, das sich weltweit besonders in Regionen wie dem südlichen Afrika oder Südostasien beobachten lässt.

Wo billige Arbeitskräfte gebraucht werden, entwickelt sich schnell ein lukrativer Markt gerade mit Jungen und Mädchen, die leicht als Arbeitssklaven auf Farmen und Plantagen oder Zwangsprostituierte in Bordellen ausgebeutet werden können. „Der Menschenhandel macht an keiner Landesgrenze Halt“, so Wolf-Christian Ramm, Pressesprecher von terre des hommes. „Deshalb müssen auch unsere Schutzprojekte und Aufklärungskampagnen international organisiert sein.“ Vor Ort hilft terre des hommes den Familien, die in der Versuchung sind, ihre Kinder aus wirtschaftlicher Not Menschenhändlern zu überlassen. Die Erwachsenen bekommen wirtschaftliche Unterstützung, die Kinder die Möglichkeit zum Besuch einer Schule.

Das Geschäft läuft überall nach einem ähnlichen Muster ab: Vermittler täuschen ihre Opfer oder deren Familien mit dem Versprechen auf Geld, eine Ausbildung, eine interessante Stelle, also auf eine Lebensperspektive, die es vor Ort nicht gibt. Die so gelockten Frauen und Männer sowie Kinder, die oft mit Zustimmung der Eltern verschickt oder sogar von ihnen verkauft werden, transportieren die Händler an unbekannte Orte, die sich im Heimatland ebenso befinden können wie in einem anderen Land oder Kontinent.

Der Menschenhandel bringt den Drahtziehern Milliardengewinne und ist damit ähnlich lukrativ wie der Handel mit Waffen und Drogen. Die ILO (International Labour Organisation) beziffert die Profite mit mindestens 32 Milliarden Dollar jährlich. Dabei sind Frauen und Kinder vom Menschenhandel am stärksten betroffen, denn die höchsten Gewinne werden mit dem Handel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung erzielt. Nach Schätzungen der Europäischen Union aus 2004 werden jährlich zwei Millionen Frauen und Kinder allein in die Prostitution gehandelt, davon eine halbe Million in die EU-Länder.

Routen des Kinderhandels


Es passiert auch vor Ihrer Haustür:
Kinder- und Frauenhandel in Deutschland


„Auch Deutschland ist beteiligt am illegalen Geschäft mit der Ware Mensch“, erläutert Wolf-Christian Ramm von terre des hommes. „Die Bundesrepublik Deutschland ist dabei sowohl Ziel- als auch Transitland.“ Der Handel mit Frauen zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung findet vornehmlich mit Ländern der ehemaligen Sowjetunion und Zentraleuropas (vor allem Belarus, Ukraine, Litauen, Polen und Russland) statt. „Verlässliche Zahlen, die uns Aufschluss über die Dimensionen des Handels geben könnten, existieren leider nicht, die Dunkelziffer ist sehr groß“, analysiert Ramm. Deshalb sind die offiziellen Zahlen auch niedrig und stellen nur einen Bruchteil des realen Umfangs dar.

So konnte 2005 das Bundeskriminalamt 642 Opfer von Menschenhandel identifizieren,
317 Verfahren wurden abgeschlossen, wobei die Gewinnabschöpfung von nur 23 Fällen
eine Summe von 1.160.000 Euro brachte.

41 Prozent der Menschenhändler in diesen Verfahren waren Deutsche.

Die Menschenhändler arbeiten bei der Suche nach ihrer „Ware“ nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. So suchen sie die Frauen oft gezielt nach Bestellung aus. Haben sie diese dann erst einmal durch offene oder verdeckte Anwerbung in ihre Gewalt gebracht, werden die Opfer in das Zielland transportiert. Dabei verfügen die Menschenhändler über sehr gut organisierte Strukturen. Sie besorgen über Mittelsmänner gefälschte Pässe, Visa, Reise- und Ausreisegenehmigungen etc. Auch das Einschmuggeln über Landesgrenzen und die Anlieferung bei einheimischen Kontaktpersonen im Ziel- oder Transitland kommt vor. Die Anwerber sind oftmals Bekannte oder Familienmitglieder oder sie bauen ein freundschaftliches Verhältnis zu den Opfern auf und gewinnen ihr Vertrauen durch ein professionelles Auftreten.

Die gehandelten Kinder in Deutschland werden meist aus Rumänien über die Ukraine, Polen oder über die Slowakische Republik eingeschleust und vornehmlich in Großstädte und Ballungsgebiete gebracht. Durch einen Eintrag in den Pässen als leibliche Kinder der sie begleitenden Erwachsenen können sie oft ganz normal einreisen. Aber auch der Schmuggel über Grenzen hinweg ist üblich. Dabei werden die Kinder von Händlern bis an die Grenzen transportiert und von deutschen Kontaktpersonen in Empfang genommen. Die Frauen, Kinder und/oder Jugendlichen werden konstant massiv kontrolliert, bedroht und zu verschiedenen Tätigkeiten gezwungen. Minderjährige, die zur Prostitution genötigt werden, erhalten oft gefälschte Pässe, die sie als Volljährige ausweisen.

Den Ermittlungsbehörden, Jugendämtern und Hilfsorganisationen liegen leider keine verlässlichen Zahlen zum Kinderhandel in Deutschland vor. „Die bekannten Fälle des Kinder- und Frauenhandels sind nur die Spitze des Eisberges“, erläutert Wolf-Christian Ramm. „Im Saarland gab es etwa 1995 relativ niedrige Opferzahlen beim Frauenhandel. Dann wurde eine spezielle Sonderkommission eingerichtet, die mehr Razzien durchführte und plötzlich gab es das Fünffache der bisherigen Opferzahlen.“ Auch ein Blick in die Nachbarstaaten lässt vermuten, dass der Kinderhandel weitaus größere Dimensionen besitzt.

Recherchen der niederländischen Sektion von terre des hommes in ausgewählten Städten zeigten, dass allein in den Untersuchungsorten 300 bis 400 minderjährige Mädchen aus Nigeria als Prostituierte arbeiten mussten. Außerdem sollen dort in den vergangenen Jahren etwa 400 junge Frauen und Mädchen aus Flüchtlingseinrichtungen verschwunden sein.

Die gehandelten Kinder stammen meist aus armen, sich auflösenden Familienstrukturen, die in wirtschaftlich unterentwickelten oder in Konfliktregionen angesiedelt sind. Sie sind oft schon zuvor mit Gewalterlebnissen in Familie und Gesellschaft, mit ethnischer oder wirtschaftlicher Diskriminierung oder Verfolgung konfrontiert worden.

Weitere Informationen zu diesem Thema:
terre des hommes Deutschland e.V.
Hilfe für Kinder in Not

www.tdh.de


terre des homes - Hilfe für Kinder in Not

Nina Kronjäger, Schauspielerin und Plan-Patin

 
»Es ist ein Skandal, dass Kinder wie Ware gehandelt werden. Deshalb engagiere ich mich gegen dieses Verbrechen an Kindern und würde mich freuen, wenn auch Sie das tun. Kinder sind keine Ware!«


Dagmar Berghoff, Schirmherrin von terre des hommes

 


Nina Kronjäger, Schauspielerin und Plan-Patin  
»Kinder gehören in die Schule und nicht ins Bordell. Damit die Ausbeutung von Frauen aufhört und Kinder ein Recht auf Kindheit bekommen, engagiere ich mich gegen Menschenhandel. Machen auch Sie mit!«


Barbara Schöneberger, TV-Moderatorin und Unterstützerin von terre des hommes

Foto: Christel Kovermann


 


Nina Kronjäger, Schauspielerin und Plan-Patin  
»Ich finde es wichtig, sich gegen den Handel mit Frauen und Kindern zu engagieren, denn Menschen sind keine Ware.«


Barbara Auer, Schauspielerin und Unterstützerin von terre des hommes

Foto: Copyright Janine Guldener


 



Verdeckte Anwerbung:

Die eigentliche Tätigkeit, sexuelle Ausbeutung in Form von Pornografie, Prostitution etc., wird verschwiegen. Den Frauen wird versprochen, dass sie als Haushaltshilfe, Kindermädchen, Küchenhilfe etc. im Zielland arbeiten können. Oft setzen die Anwerber auch auf Annoncen mit der Angabe, dass Frauen sich als Künstlerinnen oder Tänzerinnen vermitteln lassen können.

Offene Anwerbung:

Den Frauen ist bewusst, dass sie als Prostituierte arbeiten sollen, jedoch nicht unter welchen Umständen. Ihnen wird vorgetäuscht, sie könnten ihre Arbeit lukrativ und selbstbestimmt ausführen. Das Gegenteil ist der Fall; Ausbeutung, Zwang und Gewalt ist ihr Alltag.




 
Was wir tun können:

Bitte unterstützen Sie Organisationen, die sich für den Schutz der Kinder/Menschen im Zielland des Handels und präventiv für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen in den Herkunftsländern einsetzen.

Bitte seien Sie sensibel und aufmerksam für Situationen, in denen Ihnen der Verdacht kommt, dass Menschen/Kinder gegen ihren Willen zu Tätigkeiten gezwungen sind und ausgebeutet werden. Bitte informieren Sie im Zweifelsfall Behörden, Polizei oder örtliche Kinderschutzorganisationen. Bitte thematisieren Sie diesen Missbrauch von Menschen öffentlich und holen ihn damit aus der Tabu-Zone!

Bitte beteiligen Sie sich an Lobbyaktionen für einen gesetzlich besseren Schutz der Opfer. Wichtige Forderungen: keine Abschiebedrohung, jugendgerechte Unterbringung, keine Abschiebehaft, ärztliche Betreuung und Therapie bei Traumatisierung, Zeugenschutzprogramme bei Aussagen gegen Täter/Händler/Hintermänner vor Gericht.