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In TRADE – WILLKOMMEN IN AMERIKA bittet die 12-jährige Adriana, zurechtgemacht in braver Schulmädchenuniform für ihren zukünftigen „Besitzer“, um göttlichen Beistand: „Liebe Jungfrau Maria, bitte lass den Mann, der mich kauft, nett sein.“ Tränen steigen ihr in die Augen, als sie sich bekreuzigt. Bis dahin hat sie schon viel durchgemacht. Gekidnappt in Mexiko City wurde sie in die USA verschleppt, dann bei der Weiterreise zu ihrem Auktionsplatz New Jersey zum ersten Mal für Oralverkehr verkauft, sie sah ihre Freundin und Beschützerin sterben, wurde geschlagen und unter Drogen gesetzt.
Adrianas Schicksal ist für tausende Kinder leider schreckliche Realität.
Sie werden tagtäglich sexuell ausgebeutet und müssen sich prostituieren. Obwohl 1996 in Stockholm auf dem ersten Weltkongress gegen kommerzielle Ausbeutung von Kindern von 122 Regierungen beschlossen wurde, verstärkt gegen das Sexgeschäft mit Kindern vorzugehen und es unter anderem genau zu untersuchen, sieht die Datenlage heute nicht viel klarer aus.
Da die Geschäfte im Verborgenen getätigt werden, können alle Hochrechnungen nur annähernd die wirkliche Situation beschreiben. So beziffert ECPAT, ein Zusammenschluss mehrerer Organisationen (End Child Prostitution, Child Pornography and Trafficking of Children for Sexual Purposes) die Zahl von Kinderprostituierten in Thailand auf ca. 800.000, in Indien auf 400.000, auf den Philippinen auf 100.000. In den USA prostituieren sich zwischen 100.000 und 300.000 Minderjährige.
Aber nicht nur im fernen Ausland werden Kinder sexuell ausgebeutet, auch in Deutschland – und hier vor allem in Grenzgebieten – werden Kinder missbraucht. "Mädchen und junge Frauen werden von Menschenhändlern aus Osteuropa nach Deutschland verschleppt und hier zur Prostitution gezwungen. Die Opfer brauchen dringend besseren Schutz und Unterstützung",
sagt die UNICEF-Vorsitzende Heide Simonis.
Für Kinderprostitution in Deutschland gibt es überhaupt keine gesicherten Zahlen. Experten beobachten jedoch eine wachsende Prostitutionsszene, in der sich vor allem Jungen im Alter zwischen 12 und 14 Jahren zur Prostitution anbieten.
Sicher ist jedoch die gleich bleibende Beliebtheit des so genannten Bordellgürtels, der, 30 km breit und 100 km lang, entlang der gesamten Grenze zwischen Tschechien und Deutschland bzw. Österreich verläuft, wie Cathrin Schauer von der Organisation KARO e.V. erzählt. Hier reihen sich Bordelle, Nachtclubs, Spielhöllen und Straßenstriche aneinander. „Gerade in dieser Umgebung findet nicht nur Handel mit osteuropäischen Frauen sowie Zwangsprostitution statt, auch das Geschäft mit Kindern wird hier betrieben“, erläutert Schauer. „Offene Straßen-Kinderprostitution ist allerdings selten geworden und findet dann meist in Begleitung oder unter Aufsicht erwachsener Zuhälter statt. Verbreiteter sind mittlerweile Versteigerungen, der Kauf oder die Kontaktaufnahme via Internet.“ Die Geschäfte werden im Verborgenen, in Hotels, speziellen Bordellen und Privatwohnungen abgewickelt. Kommt es in der Öffentlichkeit, etwa auf Parkplätzen, zur ersten Kontaktaufnahme, eröffnen die Kinder das Gespräch meist mit „Hast Du Schokolade?“. Ist die Antwort darauf ja, gilt der Mann als potenzieller Freier. Es wird ein geheimer Treffpunkt vereinbart. Die Freier fahren danach mit den Kindern zu so genannten Stichplätzen, wo es dann zum Missbrauch kommt. Oftmals wird gleichzeitig Kinderpornografie angefertigt und die Kinder werden dabei fotografiert und gefilmt. Häufig kommt es auch zu weiteren brutalen körperlichen Übergriffen, sei es seitens der Freier oder Zuhälter. Oft sieht man im Gesicht und an anderen Körperstellen Blutergüsse. Die Kinder berichten, dass sie ins Gesicht geschlagen, an den Haaren gezogen oder mit den Füßen getreten werden. Von Pädosexuellen werden sie teilweise ohne Kleidung wieder ausgesetzt. Manchmal kommt es sogar vor, dass sie gefesselt zurückgelassen werden.
Die straff durchorganisierte Händlerstruktur zur kommerziellen Ausbeutung, wie sie im Film
TRADE – WILLKOMMEN IN AMERIKA beschrieben wird, scheint es auch in den deutschen Grenzregionen zu geben. So schreibt Cathrin Schauer von KARO e.V. in ihrem Buch „Kinder auf dem Strich“ über einen Mann, der sehr ausführlich über die organisierte kommerzielle Ausbeutung von Kindern berichten konnte. Unter anderem erzählte er von Babys und Kleinkindern, die in der Grenzregion für pornografische Aufnahmen missbraucht werden. Auch berichtete er, dass die Kinder von organisierten Gruppen teils aus GUS-Staaten oder aus der Slowakei geholt werden. Oft wüssten die Eltern darüber Bescheid oder hätten ihre Kinder zuvor verkauft. In verschiedenen Hotels in der Grenzregion würden ebenfalls zum Teil sehr junge Kinder von Sextouristen missbraucht, die diese zuvor bestellt hätten und entsprechend geliefert bekämen. Dabei wird bei Anlieferung der Kinder sogar deren Tötung eingeplant.
Auf der tschechischen Seite gibt es seit Ende 2004 ein spezielles Polizeiteam, das sich darum kümmern soll, Kinder besser zu schützen und die Fürsorgepflicht der Eltern anzumahnen. Zudem hat die UNICEF-Kampagne „Kinder sind unverkäuflich“ dazu beigetragen, dass die deutsche und die tschechische Regierung das Problem wahrnehmen. Es gibt Aktionspläne, grenzübergreifende Fortbildungen der Polizei sowie Schulungen von Richtern und Staatsanwälten. UNICEF kritisiert jedoch, dass davon auf Seiten des deutschen Innenministeriums bisher wenig umgesetzt wurde.
Weitere Informationen zu diesem Thema:
UNICEF Deutschland
www.unicef.de

KARO e.V.
www.karo-ev.de

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»Überall auf der Welt müssen Männer wissen, dass sie ein Verbrechen begehen, wenn sie zu Kinderprostituierten gehen oder nach Kinderpornografie suchen - und dass sie für ihr Tun zur Verantwortung gezogen werden.«
Roger Moore, UNICEF-Pate
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»Wie kann man Mädchen kaufen, die blau und grün sind und völlig abgemagert? Können Sie mir das erklären? Das ist moderne Sklaverei.«
Katja Riemann, UNICEF-Patin
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»Die Bundesregierung soll den Kampf gegen die skrupellosen Geschäfte mit Kindern auf nationaler und internationaler Ebene forcieren.«
Dr. Dietrich Garlichs, UNICEF-Geschäftsführer
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»Seit meinem Besuch in Laos weiß ich, die größten Menschenrechtsverletzungen werden an Kindern begangen. In Laos werden jährlich 500.000 Minderjährige illegal nach Thailand verschleppt. Für mich steht fest: Wir dürfen diese Kinder nicht im Stich lassen und müssen ihre Rechte schützen.«
Hardy Krüger jun., UNICEF-Pate
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„Ich würde alle Deutschen einsperren!“
Die Sozialarbeiterin Cathrin Schauer der Organisation Karo e.V. befragte in ihrem Buch sexuell ausgebeutete Kinder in der tschechischen Grenzregion nach ihren Wünschen und Perspektiven:
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„Ich kann mir doch nichts wünschen, vielleicht, dass es nicht mehr so viele Deutsche gibt, die hierher kommen.“ Milena, 12 Jahre.
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„Ich möchte Polizist werden, dann würde ich alle Deutschen einsperren.“ Tomas, 8 Jahre.
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„Ich möchte gerne in einer Porzellanfabrik arbeiten. Die Deutschen sollen verbieten, dass die Männer hierher kommen. Ich weiß nicht, wer dies sonst verbieten könnte. Aber ich habe keine Hoffnung, dass das verboten wird.“ Danka, 14 Jahre.
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„Ich habe Hepatitis C, vielleicht muss ich bald sterben.“ Marcela, 16 Jahre
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Keines der befragten Kinder konnte eine reale, positive Perspektive für sich benennen.
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Kinderrechte sind Menschenrechte
Die 54 Artikel der UN Kinderrechtskonvention legen die persönlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte für alle Kinder verbindlich fest, ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts, der Religion oder Herkunft.
Jedes Kind hat zum Beispiel:
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Das Recht auf Überleben, also auf die Erfüllung seiner existentiellen Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wohnung und Zugang zu medizinischer Versorgung.
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Das Recht auf Entwicklung, um sich optimal entfalten zu können. Dazu gehören das Recht auf Bildung, auf Freiheit des Denkens und der Religionsausübung.
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Das Recht auf Schutz vor Misshandlung und Folter, Vernachlässigung und Ausbeutung, der Beteiligung an bewaffneten Konflikten und Drogenmissbrauch, vor Kinderarbeit und sexueller Ausbeutung. Kinder haben das Recht, vor jeder Form des Missbrauchs bewahrt und geschützt zu werden.
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Das Recht auf Mitbestimmung. Dazu gehören das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Mitbestimmung in Dingen, die das Leben der Kinder betreffen, aber auch das Recht einer Vereinigung beizutreten und sich friedlich zu versammeln.
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Jede und jeder kann etwas gegen Kinderhandel und -prostitution tun:
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Sprechen Sie Ihren Bundestagsabgeordneten an: UNICEF sieht in der Politik Nachholbedarf beim Opferschutz und bei der Vorbeugung von Kinder- und Menschenhandel. In den östlichen Grenzregionen wird immer noch nicht energisch gegen die Sexszene vorgegangen, in der Minderjährige von deutschen Männern missbraucht werden. Fordern Sie Ihren Bundestagsabgeordneten auf, sich für den Schutz von Kindern einzusetzen: Die Behörden müssen auch grenzüberschreitend zusammenarbeiten und verdeckt ermitteln, um die Täter dingfest zu machen und zu bestrafen. Außerdem müssen Fortbildungen zum Thema „Menschen- und Kinderhandel“ für Polizei- und Justizbeamte verpflichtend sein. Den Abgeordneten aus Ihrer Umgebung finden Sie unter http://www.bundestag.de/mdb/wkmap/.
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Sensibilisieren Sie: Das Thema Kindesmissbrauch ist nach wie vor ein Tabuthema. Es ist wichtig, dass niemand diese Menschenrechtsverletzung toleriert und seine Augen verschließt. Sie muss angezeigt werden. Sensibilisieren Sie auch Menschen in Ihrem Freundes- und Verwandtenkreis und gewinnen Sie Mitstreiter im Kampf gegen Kinderhandel.
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Missbrauch melden: Es ist wichtig, dass wir alle Zivilcourage zeigen, uns engagieren und nicht wegsehen. Sollten Sie in Deutschland oder im Ausland etwas Verdächtiges sehen, informieren Sie die Polizei, die Deutsche Botschaft oder das Hotel. Deutsche Behörden können auch dann tätig werden, wenn Bundesbürger im Ausland Kinder sexuell missbrauchen. Sollten Sie zufällig auf kinderpornografische Seiten im Internet stoßen, melden Sie diese Ihrer örtlichen Polizeidienststelle oder dem Landeskriminalamt. Weitere Informationen finden Sie hier.
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„Kinderschlussverkauf“: Sprechen Sie lokale Gruppen der Kinderschutzorganisationen von terre des hommes oder UNICEF an. Stellen Sie gemeinsam mit ihnen den Verkauf von Kindern auf einem fiktiven Marktstand dar, z.B. während eines Wochen- oder Flohmarktes oder als Infostand. Erläutern Sie den Passanten, wie Kinderhandel funktioniert. Bauen Sie einen Wühltisch auf, auf dem Sie „Kinder“ anbieten. Verwenden Sie dafür Illustrationen in UNICEF-Materialien oder Faltblättern. Kleben Sie die Fotos auf festen Karton. Sie können auch Warenregale aufbauen: Dafür brauchen Sie (Schuh-)Kartons, auf die Sie Kinderbilder kleben. Stapeln Sie die Kartons übereinander und fertigen Sie unterschiedliche Preisschilder an. Mit einem großen %-Zeichen machen Sie auf den Schlussverkauf aufmerksam. Oder Sie hängen ein Schild mit dem Spruch auf: „SCHLUSS mit dem VERKAUFen von Kindern.“. Gut geeignet für diese Aktion ist die Zeit des Schlussverkaufes oder ein normaler Markttag.
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Fußballturnier: Erkundigen Sie sich, ob der Fußballverein Ihres Ortes ein Benefizspiel organisieren würde, um sich für Kinder stark zu machen. Die Sportlerinnen könnten auch Firmen und Privatpersonen suchen, die für jedes erzielte Tor spenden.
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Flohmarkt: Verkaufen Sie gemeinsam mit Bekannten und Freunden Dinge, die Sie nicht mehr brauchen. Den Erlös spenden Sie an Opfer von Kinderhandel und für Präventionsprojekte.
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Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter www.unicef.de oder bei Ihren örtlichen UNICEF-Gruppen (http://www.unicef.de/arbeitsgruppen.html).
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