So können Sie helfen!  
Ein Film von MARCO KREUZPAINTNER - TRADE Willkommen in Amerika - Ab 13. Juni auf DVD!TRADE Willkommen in Amerika - Ab 13. Juni auf DVD!  
Die Kehrseite der Globalisierung – internationaler MenschenhandelZwangsprostitution – Tausende von Frauen sind VeronicaDie verkaufte Kindheit – KinderprostitutionPrävention: Aktiv werden, bevor es zu spät istMenschenhandel: Systematische Menschenrechtsverletzung  
Zwangsprostitution – Tausende von Frauen sind Veronica  

In TRADE – WILLKOMMEN IN AMERIKA blickt Veronica innerlich zurück, während ihr Unfassbares angetan wird: die Versprechung der Agentur in ihrer polnischen Heimatstadt, ihre Freude über die Tätigkeit in den USA, die ihr und ihrem kleinen Sohn ein besseres Leben ermöglichen sollte, die Aufregung und Vorfreude als sie mit ihrer Freundin im Flugzeug sitzt. Doch die Versprechungen werden nicht eingehalten. Veronica wird Opfer eines internationalen Rings von Menschenhändlern, die sie brutal in die Prostitution zwingen und missbrauchen. Als ein Fluchtversuch scheitert und sie erfährt, dass auch ihr Sohn in die Fänge der Menschenhändler geraten ist, ist sie so verzweifelt, dass sie einen Schritt wählt, von dem es kein Zurück gibt.


Das Schicksal Veronicas ist im Film
Trade durchaus realistisch dargestellt.


Die Situation von Frauen, die in der Zwangsprostitution leben, ist von tiefer und umfassender Demütigung und Entwürdigung sowie physischer Gewalt gekennzeichnet. Durch sexuelle oder körperliche Gewalttaten oder die Verabreichung von Alkohol, Drogen und Medikamenten werden sie gefügig gemacht und ihnen werden grundlegende Menschenrechte wie die Selbstbestimmung über Körper und Seele entzogen. Um zu verhindern, dass die Opfer fliehen, findet eine ständige Überwachung statt, es wird kontinuierlich Druck ausgeübt. Im Film TRADE – WILLKOMMEN IN AMERIKA wird Veronica der Pass und somit jeglicher Identitätsnachweis genommen. Illegal eingereisten Frauen wird oft von ihren Peinigern damit gedroht, dass sie aufgrund ihres unberechtigten Aufenthaltes rechtliche Konsequenzen wie Gefängnisstrafen oder Abschiebung zu erwarten haben, wenn sie sich an die Polizei wenden. Ein weiteres Druckmittel sind Drohungen gegen Angehörige im Heimatland.

Unter den genannten Formen des Zwangs und den aufenthaltsrechtlichen Gegebenheiten ist es für die von Zwangsprostitution betroffenen Frauen sehr schwer, sich aus ihrer Situation zu befreien. Permanente Druckmechanismen der Täter, die ständige Überwachung und die Isolation verfehlen ihre Wirkung nicht: Betroffene Frauen sehen kaum einen Ausweg aus ihrer Situation. Flucht und Kontaktaufnahme zur Polizei oder zu Beratungsstellen sowie eine Rückkehr in das Herkunftsland sind kaum realisierbar. Ihnen fehlen zudem häufig die Orientierung im fremden Land sowie Sprachkenntnisse, um Hilfe suchen zu können.

Oftmals erleiden betroffene Frauen durch die kontinuierliche Gewalteinwirkung und Fremdbestimmung schwere psychische Schädigungen, sie sind traumatisiert und befinden sich häufig in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Es ist bekannt, dass traumatische Erlebnisse sowohl langfristige als auch tief greifende Persönlichkeitsveränderungen zur Folge haben können. Viele Frauen fühlen sich zudem mitschuldig an ihrer Situation, weil sie sich vermeintlich leichtgläubig auf Versprechungen eingelassen haben.

Zwangsprostitution wird also in den seltensten Fällen aufgrund einer Strafanzeige der Betroffenen aufgedeckt. Wegen ihrer spezifischen Lage – aufgrund der Illegalität, des Drucks der Täter und/oder ihrer psychischen Situation – haben die Betroffenen faktisch selten die Möglichkeit, sich aus diesen Umständen zu lösen oder diese Straftaten aktiv anzuzeigen.
Die Täterkreise nutzen alle Möglichkeiten, um einen möglichst hohen Profit mit den Opfern zu erzielen. Dies geschieht über die wirtschaftliche Ausnutzung der jungen Frauen und Kinder. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes verdienen Frauenhändler an einer einzelnen Frau im Jahr durchschnittlich 120.000 Euro. Die Vermarktung junger Frauen hat dabei viele Facetten, dazu gehören Gewaltvideos im Internet, der Straßenstrich, Zwangsprostitution in so genannten Lovemobiles, Hotels oder Wohnungen. Die Kontaktherstellung zwischen Kunden und Tätern erfolgt beispielsweise via Versteigerung im Internet, Anzeigen oder geschlossenen Internetforen.

Die Dunkelziffer von Opfern von Zwangsprostitution ist hoch, offizielle repräsentative Zahlen gibt es nicht, da die Verfolgung dieser Verbrechen sehr schwierig ist. So konnten im Jahr 2006 in Deutschland lediglich 775 Opfer, vornehmlich weiblichen Geschlechts, ermittelt werden. Davon stammten 94,3 % der Frauen aus Europa, überwiegend aus osteuropäischen Ländern.

Nationalitäten der Opfer
Quelle: Bundeskriminalamt: Bundeslagebild Menschenhandel 2006.

Weitere Informationen zu diesem Thema:
KOK – Bundesweiter Koordinierungskreis
gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess e.V.

www.kok-buero.de


KOK – Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess e.V.


TERRE DES FEMMES e.V.
www.frauenrechte.de


TERRE DES FEMMES

 

Nina Kronjäger, Schauspielerin und Plan-Patin

 
»Anders als der Menschenhandel vergangener Jahrhunderte, findet der Frauenhandel unserer Tage in einem Klima der Heimlichkeit statt. Das macht ihn nur umso gefährlicher. Peinlich berührt ist leicht, wer sich mit dem oft gesetzlosen Gegenstand der Prostitution befasst. Aber was ist ein Gefühl von Peinlichkeit gegen Verschleppung, Missbrauch, Gewaltausübung, Freiheitsberaubung, Erniedrigung, Vergewaltigung, so wie die Opfer des Frauenhandels sie erfahren! Es bedarf also der Informationen über das, was Opfer erfahren, und was Täter ihrerseits stützen helfen. Es bedarf des Lichts der Öffentlichkeit auf einem Gebiet, das man nicht zufällig 'lichtscheu' nennt, und es bedarf des gesetzlichen Schutzes für Frauen aller Nationen, die hier und anderswo zu Opfern von Menschenhandel werden.«


Roger Willemsen, Unterstützer von TERRE DES FEMMES

 


Nina Kronjäger, Schauspielerin und Plan-Patin

 
»Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. - Und da keiner von uns tagtäglich die Tränen und Verzweiflungsrufe von zwangsprostituierten Frauen sieht und hört - existieren sie nicht wirklich für uns. Frauen müssen so oft mit ihrem Körper bezahlen, sei es im Krieg, bei Hunger und Not, oder in der eigenen Familie in Form von Gewalt oder Genitalverstüm-melung. Bilder dieser Art rütteln uns nur noch mühsam auf.

Aber - Eine Frage an Sie - lieber Leser, liebe Leserin - was würden Sie denken, wenn ein dringend benötigter Job ihre Frau/Schwester/Freundin, zur Sex-Sklavin macht, eingesperrt in irgendein Hinterzimmer, aus dem es kein Entrinnen gibt? Schreien würden Sie und auf die Barrikaden gehen, oder? Tun Sie es doch auch für die Tausende und Abertausende von Frauen, die gegen ihren Willen malträtiert, vergewaltigt und benutzt werden, nur weil sie ihre Familien unterstützen wollen oder sich selber und ihre Kinder ernähren müssen. Wir haben nicht die Möglichkeit gegen alle menschenunwürdigen Ungerechtigkeiten dieser Welt anzugehen, deshalb unterstütze ich schon länger mit Wort und Geld TERRE DES FEMMES. Wenn Sie ein persönliches Frauenschicksal aus welchem Land auch immer gelesen, gehört oder gesehen haben und in ihr Herz eingelassen haben - dann können Sie nicht länger die Augen vor all diesem entsetzlichen Leid verschließen. - Bitte unterstützen Sie TERRE DES FEMMES.«


Ursela Monn, Unterstützerin von TERRE DES FEMMES

Foto: Copyright Janine Guldener


 



Fallbeispiel: Julia N. aus Osteuropa

Anmerkung: Es handelt sich bei der folgenden Darstellung nicht um eine konkrete Person, sondern um die Beschreibung eines Falles, wie er häufig in Deutschland passiert. So oder ähnlich ist es in der Vergangenheit vielen Frauen ergangen.

Nach ihrem Schulabschluss hatte Julia in ihrer kleinen Heimatstadt in Osteuropa wenig Aussichten auf eine Arbeit. Weiterbildungsmöglichkeiten konnte sie sich nicht leisten. Von einer Bekannten erfuhr sie von guten Verdienstmöglichkeiten in Deutschland. Sie entschloss sich nach mehreren Gesprächen, nach Deutschland zu reisen, um dort in einer Bar als Kellnerin zu arbeiten. Um die Formalitäten wie z.B. ein Visum wollte sich ihre Bekannte kümmern, die sich sehr viel Zeit für die Beantwortung all ihrer Fragen genommen hatte. Sie erschien vertrauenswürdig.

In Deutschland angekommen, musste Julia ihren Pass abgeben, angeblich um Formalitäten ihres Aufenthaltsstatus zu regeln. Als sie ihre Arbeit in der Bar beginnen wollte, wurde ihr erklärt, dass sie als Prostituierte zu arbeiten habe. Es seien Kosten durch ihre Anreise und das Visum entstanden, die sie jetzt zurückzahlen müsse. Eine Flucht wäre sinnlos, schließlich spräche sie kein Deutsch, kenne sich nicht aus und würde als Illegale ohnehin sofort abgeschoben werden. Sie wurde mehrfach vergewaltigt. Ein „Bodyguard“ folgte ihr nunmehr auf Schritt und Tritt. Jedes Mal, wenn sie sich weigerte, einer Anweisung nachzukommen, wurde Julia sexuell missbraucht und/oder geschlagen.

In den folgenden Jahren arbeitete sie in mehreren Bordellen. Ohne eigenes Geld, ohne Sprachkenntnisse und mit der Angst, dass ihre Familie in der Heimat von ihrer Tätigkeit als Prostituierte erfahren könne oder ihre Zuhälter Gewalt gegen ihre Familie ausüben könnten, sah sie keine Fluchtmöglichkeiten.

Bei einer Razzia in dem Bordell, wo Julia arbeitete, wurde sie von der Polizei aufgegriffen und als Zeugin vernommen. Sie hatte große Angst vor ihren Zuhältern, erzählte falsche und unschlüssige Versionen von dem, was ihr widerfahren war. Sie wurde in Abschiebehaft gebracht, da sie sich ohne Papiere in der Bundesrepublik aufhielt. Dort kam sie in Kontakt mit einer Mitarbeiterin einer Fachberatungsstelle für Opfer des Menschenhandels. Zu ihr fasste sie in den nachfolgenden Wochen Vertrauen. Nach vielen Gesprächen entschloss sie sich, in einem Strafverfahren gegen ihre Zuhälter auszusagen.

Zu diesem Zeitpunkt war sie stark traumatisiert. Sie litt unter Angstzuständen und Schlafstörungen. Eine Psychotherapie wurde mangels Notwendigkeit von den zuständigen Behörden abgelehnt. Ob sie in der Bundesrepublik bleiben durfte, obwohl sie sich zu einer Kooperation mit den Behörden entschieden hatte, war weiter ungewiss.

Nach einigen Wochen wurde sie in ein Frauenhaus gebracht. Sie hatte jetzt für die Dauer des Strafverfahrens einen Aufenthaltstitel. Arbeiten oder einen Sprachkurs besuchen durfte sie allerdings nicht.

Die Eröffnung des Strafprozesses ließ lange auf sich warten. In dem Prozess wurde sie als Zeugin vernommen. Durch die andauernden psychosomatischen Beschwerden, ihre Angst vor den Zuhältern und den scharfen Tonfall zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft wurde sie während ihrer Zeugenbefragung immer unsicherer. Sie verstrickte sich in Widersprüche und konnte sich an Details nicht erinnern. Sie wurde für unglaubwürdig erklärt, die Zuhälter freigesprochen.






Zitate von Betroffenen

„... und dann hat alles nur noch wehgetan.“ (erklärte eine Frau, nachdem sie jeden Tag ohne Pause von 12:00 Uhr mittags bis 04:00 Uhr nachts als Prostituierte arbeiten musste)

„Ich war nackt und die Frau stand mir in einer Uniform gegenüber. Was hätte ich sagen sollen? Es lagen Welten zwischen uns.“ (sagte eine Frau, die zur Prostitution gezwungen wurde und sich bei einer Razzia nicht der Polizei anvertraut hatte)

„Es reichte, dass er mich anguckte und ich habe alles getan.“

„Ich durfte nicht einmal alleine einkaufen gehen.“

„Ich konnte nicht die Wahrheit sagen, nicht lügen, ich war innerlich leer, ich dachte ich bin verrückt geworden und ich wollte nur nach Hause.“ (sagte eine Frau nach einer Polizeirazzia)




 
Was wir tun können:

Unterstützen Sie die Arbeit der Fachberatungsstellen und Organisationen, die sich für die Opfer des Menschenhandels einsetzen mit einer Spende.
Wenn Sie die betroffenen Frauen in ihrer konkreten Situation finanziell unterstützen wollen, möchten wir Sie auf das Spendenkonto des KOK e.V. aufmerksam machen. Die Spenden gehen direkt an betroffene Frauen.

Unterstützen Sie die Aktionen und Kampagnen von Nichtregierungsorganisationen, die sich für die Opfer des Menschenhandels einsetzen!

Setzen Sie sich für die Menschenrechte und gegen Menschenhandel ein, indem Sie als Multiplikatorin und Multiplikator über das Problem Menschenhandel und die Arbeit der Organisationen in diesem Bereich informieren!
Fördern Sie auch die Organisationen in Ihrer Region, die zu dem Thema arbeiten.

Setzen Sie sich gegen sexistische und rassistische Diskriminierung ein!

Adressen und weitere Informationen zu Frauenorganisationen und Fachberatungsstellen, die gegen Menschenhandel kämpfen, finden Sie unter:
http://www.kok-buero.de/index.php?idcat=31&lang=1